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Begehung von Gebäuden Empfehlungen und Hinweise zur Beseitigung von baulichen und technischen Barrieren

Foto von Mitarbeitern des PARITÄTISCHEN und ExpertInnen von bith e. V. bei der Begehung des Hauses der PARITÄT. Sie sind gemeinsam auf dem Weg vor dem Gebäude unterwegs.Begehung des Hauses der PARITÄT

Die Mitglieder von Barrierefrei in Thüringen - bith e. V. und die Partner des Vereins bieten wirtschaftlichen Unternehmen, Organisationen, Einrichtungen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen und Vereinen Beratungen zum Thema Barrierefreiheit an und erklären vor Ort, wie Barrieren abgebaut werden können.

So unternahmen die bith-ExpertInnen gemeinsam mit den Verantwortlichen des PARITÄTISCHEN eine Begehung des Hauses der PARITÄT zum Aufspüren von Barrieren und gaben Hinweise zu deren Beseitigung.

 

Mehr Barrierefreiheit mit vielen kleinen Schritten - PARITÄTISCHER stellt eigenes Haus auf den Prüfstand

Foto, wie mit Hilfe eines elektronischen Neigungsmessers das Gefälle einer Auffahrt bestimmt wird.Ausmessen von Zufahrten

Neudietendorf. Sylvia Engel ist am Ende zufrieden „Trotz der vielen aufgespürten Mängel sind das Haus der PARITÄT und die Krügervilla in vielen Bereichen schon barrierefrei oder zumindest zugänglich für Menschen mit Behinderungen.“ Seitihrem 14. Lebensjahr ist die Weimarerin auf den Rollstuhl angewiesen, sie weiß, auf welche Dinge sie achten muss, wenn sie ein Haus auf Barrierefreiheit testen soll, sie weiß aus eigener Erfahrung, wo die Probleme liegen, die für nichtbehinderte Menschen kaum sichtbar oder erspürbar sind.

Der PARITÄTISCHE Thüringen, der sich für die Barrierefreiheit in Thüringen stark macht, stellte jetzt sein eigenes Haus auf den Prüfstand. Und die Experten fanden viele kleine Mängel,die es nun zu beseitigen gilt, um die Barrierefreiheit weiter zu erhöhen.Dr. Markus Rebstock von der Fachhochschule Erfurt und Eberhard Tölke vom Verein „Barrierefrei in Thüringen“ (bith) sind an diesem Tag mit Zentimetermaß und einem reichen Erfahrungsschatz angerückt, um das Domizil des PARITÄTISCHEN kritisch unter die Lupe zu nehmen. Tölke selbst ist sehbehindert und kann daher viele wertvolle Hinweise geben, wo er Nachbesserungsbedarf sieht. Das fängt schon vor dem Haus ein. Ein Hinweisschild, das auf den Nebeneingang für Menschen mit Behinderungen hinweist, fehlt beispielsweise völlig. Der Belag der Rampe für Rollstuhlfahrer ist an diesem Tag nicht ganz rutschfest.

Nächster Kritikpunkt: Für Sehbehinderte ist die Klingel schwer auffindbar, der Kontrast zur weißen Hauswand ist zu gering. Und: Auf den Glaselementen der Tür fehlen Kontraststreifen. Auch im Haus lassen die Experten den kritischen Blick schweifen. Und werden gleich im Flur am Eingang links fündig: Esgibt keinen Wegweiser für das Haus, auch keine taktilen, also auch für Sehbehinderte und Blinde ertastbaren, Hinweise. Der Taster zum Fahrstuhl ist mangels Kontrast für Sehbehinderte kaum zu finden, eine ertastbare Kennzeichnung fehlt. Als sich Tölke im Aufzug umschaut, findet er weitere Kritikpunkte: Die Tastatur ist kontrastarm, die Beschriftung ebenfalls nicht zu ertasten und es gibt keine akustischen Rückmeldungen beim Druck auf die Taste. Sylvia Engel will an diesem Tag in ihrem Rollstuhl den Weg zu Landesgeschäftsführer Reinhard Müller finden. Im zweiten Obergeschoss angekommen, macht sie eine erste Entdeckung: Die Bürotüren sind unterschiedlich breit, einige sind zu schmal für Rollstühle. Das Ganze, so erklärt Stefan Werner, der stellv. Direktor der PARITÄTISCHEN Buntstiftung, ist den räumlichen Gegebenheiten geschuldet. Allerdings gibt es außerhalb der kleinen Büroräume ausreichend Möglichkeiten für ein Gespräch. Und diese Gesprächsecken sind auch für Menschen mit Behinderungen problemlos erreichbar.

Für Sehbehinderte eine weitere Hürde sind die gläsernen Bürotüren. Die weißen Markierungen sind kaum erkennbar und für Rollstuhlfahrer zu hoch angebracht. Ein Verbesserungsvorschlag aus der Runde: Die weißen Markierungen könnten durch die Farben des PARITÄTISCHEN, blau und rot, ersetzt werden. Aber auch der Internet-Auftritt des PARITÄTISCHEN wird unter die Lupe genommen. Dort, so merken die Experten an, müsse auch nachgebessert werden. Sie wünschen sich, dass Menschen mit einem Handicap dort schon nachlesen können, was sie im Haus erwartet.

Sylvia Engel hat am Ende des Flures dann das Büro des Geschäftsführers erreicht, ihr Ziel an diesem Tag. Gemeinsam mit den anderen Experten hat sie in der Zwischenzeit noch viele andere Dinge entdeckt, die im Sinne einer größeren Barrierefreiheit nachbesserungsfähig sind. Das geht von der Beleuchtung bis zu den Handläufen oder zu dunkle Regale. „Die Begehung hat uns viele wertvolle Hinweise gebracht, wie wir mit einer Vielzahl kleiner Veränderungen die Barrierefreiheit in unseren Räumlichkeiten noch weiter verbessern können“, so Stefan Werner. Und das gilt nicht nur für die Räumlichkeiten des PARITÄTISCHEN. Oft sind es die kleinen Dinge, die verbessert werden müssen, um Menschen mit Behinderungen die Orientierung zu erleichtern. „Deshalb war dieser Tag in unseren Räumlichkeiten auch für uns ein echter Gewinn“, bilanziert Werner.

Autor: Hartmut Kaczmarek. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des PARITÄTISCHEN Landesverbandes Thüringen 

 

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